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Ende in Sicht

Garding. Die Straßen Eiderstedts sind - gefühlt - seit über 20 Jahren höchstens geflickt worden. So ist es an sich gut, dass die wichtigste Verkehrsader, die B202, die von Tönning nach St. Peter-Ording führt, nun endlich grundsaniert wird. So weit so gut, doch das ist alles nicht so einfach.

 

Die Autofahrer - vor allem Ortsunkundige - wissen nicht, ob und wie sie den Ort erreichen. In der Nähe von Poppenbüll findet sich nur ein Schild: "Vollsperrung. Anlieger bis Baustelle frei". Kein Hinweis darauf, dass man immerhin noch nach Garding fahren kann.

 

So machen Fremde einen großen Bogen. Bereits im Herbst 2017 war die Stadt von Baustellen umringt und zum Teil gänzlich abgeschnitten.

 

Nach der Winterpause kam nun der zweite Anlauf. Wieder einmal Vollsperrung der Straße.  Aktuell muss man selbst als Fußgänger einige Meter erlaufen, um nur die Straßenseite zu wechseln. Bis Ende Mai soll aber nun alles abgeschlossen sein, so teilte das Landesbauamt dem Vorsitzenden des Gewerbevereins Garding & Mittleres Eiderstedt, Serge Hatzenbühler, mit.

 

Soweit die Fakten. Aber das ist ja nicht alles. Die Gewerbetreibenden haben durch die Sperrungen massive Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Von bis zu 60 Prozent ist da die Rede und diese Einbußen müssen die Geschäftsleute selbst tragen. Wie es im Amtsdeutsch heißt: "...die gute Erreichbarkeit eines Betriebes im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen ist nicht entschädigungsfähig." Einige Betriebe geraten bereits in finanzielle Schieflage, so Hatzenbühler.

 

Für Irritation soll ein Ausspruch in einer Urteilsgebung gesorgt haben, dort soll es sinngemäß heißen "Gewerbetreibende müssen selbst für entsprechende Rücklagen sorgen". "Wie soll das gehen? Vielleicht auch gerade bei Existenzgründern...", wundert sich Hatzenbühler.

 

So hoffen alle, dass die Überschrift "Ende in Sicht" nur positiv das Ende der Baumaßnahmen meint und nicht das Aus für einige Geschäftsleute. Denn Selbstständigkeit ist nicht automatisch einhergehend mit Reichtum. Und wenn so eklatante Einbußen über Monate zu verkraften sein müssen, die Kosten für Miete, Mitarbeiter und alle steuerlichen Abgaben aber weiterlaufen, dann geht das vorrangig ausschließlich zu Lasten von Chef oder Chefin und führt im schlimmsten Fall in die Insolvenz.

 

Hoffen wir also, dass die vielen Einheimischen und Touristen, die bislang - im wahrsten Sinne - einen Bogen um die B202 machen mussten, nun bald auch wieder anhalten und ihre Einkäufe tätigen können.

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